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GLASFIEBER:
Wo Perlen am Feuer gewickelt werden
Künstleratelier als Kaderschmiede für kreative Autodidakten
Man kann sich kaum vorstellen, dass die Künstler der AG-Vielfalt in Walleshausen die Verarbeitung von Glas eher hobbymäßig betreiben. Von solch kreativer
und meisterlicher Gestaltung erzählen die durchscheinenden Objekte der Künstlergruppe, die sich als Atelier Gemeinschaft im Walleshausener Mühlanger zusammengefunden hat.
Stimmig erscheint der Name, denn ebenso vielfältig wie die Produkte (Glasschmuck verarbeitet mit Edelmetallen, Perlen, Gebrauchsobjekte, Lampen- und
Leuchtobjekte, Dekoratives für Haus und Garten) sind auch die Produzenten. Vor rund zwei Jahren fanden sich sechs freischaffende Kunsthandwerk-Gestalter aus den umliegenden Gemeinden im Atelieranbau am Privathaus
des Heilpraktikers Günter Block in Walleshausen zusammen. Nicht nur, um gemeinsam die aufwändige Technik zur Glasverarbeitung zu nutzen, sondern auch, um sich im Austausch mit Gleichgesinnten beim gegenseitigen
Experimentieren und der Suche nach neuen Formen zu inspirieren.
Anfang Oktober luden sie zu einer Werkstatt-Präsentation ein und machten ihr Atelier für die Öffentlichkeit begehbar. Der Wohn-Atelierkomplex erscheint dann wieder als kreativer Ort: Im Garten baumeln Glasobjekte von Ästen und Zweigen oder verstecken sich hinter Stauden, im angrenzenden Wohnhaus wird ein puristischer Schlafraum zur Galerie, das zweigeschossige Atelier gruppiert Glasobjekte in thematische Serien.
Ein großer Arbeitstisch bildet das Zentrum des Atelieruntergeschosses, der Flach- und Heißglaswerkstatt. Auf ihm werden Stücke aus Glasplatten oder -Stäben
zugeschnitten und (manchmal mit anderen Materialien wie Metallfäden oder -puder) zu neuen Gefügen zusammen gestellt. Um dreidimensionale Objekte plastisch zu arbeiten, legen die Kunsthandwerker Einzelteile aus dem
Spezialglas in oder auf Formen zurecht. Bei Temperaturen von 800-820 Grad entsteht dann die neue Gestaltung, die anschließend nicht selten tagelang abkühlen muss, bis sich die Struktur wieder entspannt und
verfestigt hat. "Wir arbeiten mit ganz speziellen Gläsern", erklärt Günter Block, "die man aufgrund ihrer Beschaffenheit nicht mit Fensterglas vergleichen kann." Ulrike Klein (Eresing), Gabriela
Segl (Augsburg), Michaela und Peter Witt (Egling) sowie Michaela Köppl und Günter Block (Walleshausen) hat das "Glasfieber" gepackt, wie sie selbst sagen. "Man möchte immer mehr über dieses Handwerk
wissen", erklärt Block, der seit 1992 auch eine eigene Goldschmiedewerkstatt hat. "Wir haben uns in Kursen weitergebildet und das Emaillieren, Glasblasen, Glasmalen und andere Techniken rund ums Thema Glas
erlernt", so Block weiter.
Der Profi unter ihnen, Goldschmiedin Michaela Köppl, ausgebildet an der Berufsfachschule für Glas und Schmuck in Neugablonz, reiste auf der Suche nach
besonderen Glasprodukten von Indien nach Tschechien über die Türkei und Italien und brachte eine große Auswahl internationaler Ware auch für ihre Landsberger Perlengalerie Credo (Alte Bergstraße) mit, in der sie
seit 1998 zudem eigens gefertigte Perlen verkauft. Als Kursleiterin für Perlenwickelkurse im In- und Ausland bringt sie eine fachmännische Sichtweise in die Walleshausener Künstlergruppe ein, entwickelt dort ihre
Kollektionen und bietet im Atelier im Mühlanger auch regelmäßig Perlenwickel-Kurse an.
Vertriebene aus dem Erzgebirge brachten die Tradition mit, Perlen am sogenannten "Böhmischen Lampenfeuer" zu wickeln. Nachdem allmählich nicht nur
die dafür notwendigen Geräte, sondern auch die Tradition auszusterben drohte, freut sich die Fachschule in Neugablonz darüber, dass durch Michaela Köppl sowohl die Tradition als auch die handwerklichen
Voraussetzungen dafür wieder sichergestellt werden. Denn Köppl bietet neben ihren Kursen auch die dafür notwendigen Geräte an, die sie eigens wieder produziert.
TEXT von SIGRID RÖMER-EISELE Ausgabe Dezember 2006 / Januar 2007
jezza! Geltendorf, Waldstr. 26, 82269 Geltendorf, E-mail: redaktion@jezza.de
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